Wirtschaft

IWF-Finanzchef: Deutschland muss mehr investieren

  • dts veröffentlicht am 20. April 2017, 19:12 Uhr
Bild vergrößern: IWF-Finanzchef: Deutschland muss mehr investieren
Euroscheine
dts

.

Anzeige

Washington - Der Finanzchef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Tobias Adrian, fordert Deutschland auf, mehr Geld zu investieren und die Binnennachfrage zu stärken. "Ich denke da etwa an Bildungsinvestitionen und Unterstützung für die Grundlagenforschung, um sicher zu gehen, dass Deutschland weiter zur technologischen Avantgarde zählt", sagte der Ökonom dem "Handelsblatt".

Die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) verteidigte Adrian. "Aus Sicht des IWF ist eine lockere Geldpolitik immer noch das richtige Mittel, da die EZB ihre Politik an den Bedürfnissen für die Eurozone insgesamt ausrichten muss. Für einzelne Länder mögen diese Entscheidungen vielleicht weniger angemessen sein. Aber auch in Deutschland ist die Inflation weiterhin relativ niedrig."

Die Klagen deutscher Finanzinstitute nimmt allerdings auch der IWF wahr. Gerade die Lebensversicherer befänden sich in einem schwierigen Umbruch, räumt Adrian ein. "Wir werden eine Anpassung erleben. Lebensversicherer werden Garantiezins-Angebote aufgeben und durch Modelle ersetzen, bei denen Kunden feste Beträge in riskanteren Anlageklassen investieren. Die Übergangsperiode kann durchaus schmerzhaft sein."

Der IWF-Experte befürchtet zudem, dass der aufkeimende Wirtschaftsnationalismus einen Deregulierungswettlauf auslösen und so die Stabilität des Weltfinanzsystems bedrohen könnte. "Im Vorfeld der Finanzkrise ist es genauso gekommen. Einen Rückfall in diese Verhaltensmuster müssen wir auf jeden Fall verhindern." Die neue US-Regierung hat angekündigt, die Kontrolle der Banken zu lockern und damit weltweit Besorgnis ausgelöst. Auch den Flirt mit dem Protektionismus hält Adrian für gefährlich: "Der internationale Handel ist ein Wachstumsmotor. Protektionistische Maßnahmen würden die Konjunktur bremsen und die Finanzstabilität bedrohen." Adrian ist der hochrangigste Deutsche beim IWF und seit Jahresbeginn im Amt. Zuvor hat er lange in der New Yorker Zweigstelle der US-Notenbank gearbeitet und war im Krisenjahr 2008 an der Rettung des Weltfinanzsystems beteiligt.

Die News IWF-Finanzchef: Deutschland muss mehr investieren wurde von dts am 20.04.2017 in der Kategorie Wirtschaft mit den Stichwörtern Wirtschaft, Deutschland, Unternehmen abgelegt.

Bitte beachten Sie vor Ihrer Eingabe unbedingt unseren Datenschutzhinweis.

Weitere Meldungen

Zahl der Bezieher von Elterngeld 2016 gestiegen

Wiesbaden - Im Jahr 2016 haben 1,64 Millionen Mütter und Väter Elterngeld bezogen: Das waren fünf Prozent mehr als im Jahr 2015, teilte das Statistische Bundesamt am Dienstag

Mehr
Grüne kritisieren Anti-Zucker-Strategie von Agrarminister Schmidt

Berlin - Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) erntet jetzt auch massive Kritik von den Grünen für seine geplante Strategie zur Reduzierung von Fett, Zucker und

Mehr
BP-Europachef: Fahrverbote wären "wenig zielführend"

London - Der Europachef des britischen Ölkonzerns BP, Wolfgang Langhoff, hält nichts von Bannmeilen für Dieselfahrzeuge in Städten wie München oder Stuttgart: Fahrverbote wären

Mehr

Top Meldungen

Draghi sieht Zukunft der Eurozone optimistisch

EZB-Chef Mario Draghi sieht die Zukunft der Eurozone optimistisch. Nach Jahren der Unsicherheit, ob die Eurozone ihre Arbeitsmärkte reformiert, herrsche in Europa nun neues

Mehr
EU-Kommission verhängt Rekordstrafe von 2,42 Milliarden Euro gegen Google

Der US-Internetriese Google soll wegen Benachteiligung der Konkurrenz bei der Online-Suche nach Shopping-Angeboten eine Rekordstrafe zahlen: 2,42 Milliarden Euro Wettbewerbsstrafe

Mehr
Samsung will offenbar zurückgenommene Note 7 mit neuem Akku verkaufen

Nach dem Debakel um das explosionsgefährdete Galaxy Note 7 will Hersteller Samsung die zurückgenommenen Geräte offenbar erneut verkaufen. Südkoreanische Medien berichteten am

Mehr