Pressetexte

Deutsches Kinderhilfswerk: Kinderarmut in Deutschland nicht kleinreden, sondern beseitigen

  • pr-gateway de veröffentlicht am 20. März 2017, 14:03 Uhr
Bild vergrößern: Deutsches Kinderhilfswerk: Kinderarmut in Deutschland nicht kleinreden, sondern beseitigen

.

Anzeige

Das Deutsche Kinderhilfswerk stellt der Bundesregierung in der Gesamtschau ein schlechtes Zeugnis bei der Bekämpfung der Kinderarmut in Deutschland aus. In seiner Stellungnahme zur öffentlichen Anhörung des Bundestagsausschusses für Familie, Senioren, Frauen und Jugend mahnt das Deutsche Kinderhilfswerk deshalb dringend ein Gesamtkonzept an, mit dem die Situation der von Armut betroffenen Kinder und Jugendlichen nachhaltig verbessert wird. "Aus Sicht des Deutschen Kinderhilfswerkes haben sich an vielen Stellen unsere Befürchtungen des Jahres 2013 bestätigt. Nachdem das Wort "Kinderarmut" im Koalitionsvertrag nicht einmal vorkam, müssen wir vier Jahre später eine ernüchternde Bilanz ziehen. Die wenigen Lichtblicke wie die Anhebung des Kinderzuschlags oder die Verbesserungen beim Unterhaltsvorschuss reichen bei weitem nicht aus, unsere Hoffnungen auf ein schlüssiges Gesamtkonzept zur Bekämpfung der Kinderarmut haben sich zerschlagen. Dazu passt es, dass sich der für Kinder und Familien zuständige Ausschuss erst ein halbes Jahr vor Ende der Legislaturperiode dezidiert mit diesem wichtigen Thema auseinandersetzt. Wir sind gespannt, ob im Folgenden tatsächlich politische Konsequenzen gezogen werden", betont Holger Hofmann, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerkes, bei der heutigen Anhörung im Bundestag.

"Das Deutsche Kinderhilfswerk sieht die Diskussion der letzten Wochen um den relativen Armutsbegriff mit Besorgnis. In einem Land wie Deutschland zeichnet sich insbesondere Kinderarmut nicht allein durch materielle Entbehrungen, sondern auch durch Ausgrenzung und damit fehlende Teilhabe an Aktivitäten aus, die für andere Kinder selbstverständlich sind. Den relativen Armutsbegriff in Frage zu stellen bedeutet, Gefahren gesellschaftlicher Ausgrenzung zu relativieren und damit in Kauf zu nehmen, dass Kinder und Jugendliche abgehängt sind und bleiben. Demgegenüber brauchen wir nicht nur die Ausstattung von Kindern mit dem Allernötigsten, sondern für alle Kinder muss gesellschaftliche Teilhabe ausreichend möglich sein. Nur so werden wir den Vorgaben, die uns das Bundesverfassungsgericht in seinem wegweisenden Urteil im Jahre 2010 gemacht hat, und den Bestimmungen der UN-Kinderrechtskonvention zur sozialen Sicherheit gerecht. Kinderarmut darf nicht kleingeredet, sondern sie muss durch konkrete politische Maßnahmen beseitigt werden", so Hofmann weiter.

Aus Sicht des Deutschen Kinderhilfswerkes sollte im Rahmen eines Bundesweiten Aktionsplans gegen Kinderarmut ein besonderer Schwerpunkt auf den Bildungsbereich gelegt werden. Hier vermisst der Verband an vielen Stellen den politischen Willen, sich dem drängenden, strukturellen Problem der schlechten Bildungschancen der von Armut betroffenen Kinder in Deutschland anzunehmen. "Das bittere Problem der Bildungsbenachteiligung hängt Deutschland schon seit zu vielen Jahren nach. Wir brauchen endlich eine gemeinsame Kraftanstrengung von Bund und Ländern, um wirksame Konzepte gegen die zu große Abhängigkeit des Bildungserfolgs von der sozialen Herkunft auf den Weg zu bringen. Chancengerechtigkeit im Schulsystem darf keine hohle Phrase bleiben", so Hofmann abschließend.

Besorgniserregend ist aus Sicht des Deutschen Kinderhilfswerkes auch, dass sich beim Einsatz privater Mittel für die außerschulische Bildungsunterstützung immer deutlicher eine Spaltung abzeichnet. So zeigt eine aktuelle Studie der Hans-Böckler-Stiftung, dass außerschulische Nachhilfe die im Bildungssystem verursachten sozialen Ungleichheiten eher verstärken statt sie zu verringern. Denn Kinder aus finanziell gut ausgestatteten Elternhäusern bekommen wesentlich häufiger bezahlte Nachhilfestunden als Kinder aus armen Haushalten. Bezeichnenderweise wird hier auch das Versagen des Bildungs- und Teilhabepaketes deutlich. Deshalb ist es aus Sicht des Deutschen Kinderhilfswerkes dringend geboten, andere Lösungen zu finden und die Förderung Kindern, über die Schule direkt, unbürokratisch und stigmatisierungsfrei zugänglich zu machen. Gute Beispiele wie etwa der Lübecker Bildungsfonds sollten vom Gesetzgeber hier als Anregung für grundlegende Reformen genommen werden.

Die Ergebnisse des Kinderreports 2017, den das Deutsche Kinderhilfswerk im letzten Monat vorgestellt hat, unterstreichen den Handlungsbedarf beim Thema Kinderarmut auch aus Sicht der Bevölkerung. So sieht ein Großteil der befragten Erwachsenen, aber auch der Kinder und Jugendlichen strukturelle Ursachen für die Kinderarmut in Deutschland. 87 Prozent der Erwachsenen und 93 Prozent der Kinder und Jugendlichen sehen zu niedrige Einkommen vieler Eltern als wichtigen Grund für Kinderarmut in Deutschland an. Und dass von Armut betroffene Kinder weniger Chancen auf einen guten Bildungsabschluss haben und sich Armut dadurch fortsetzt, mahnen 80 Prozent der Erwachsenen sowie 64 Prozent der Kinder und Jugendlichen an.

Pressekontakt
Deutsches Kinderhilfswerk e.V.
Uwe Kamp
Leipziger Straße 116-118
10117 Berlin
030-308693-11
presse@dkhw.de
http://www.dkhw.de

Pressetexte einstellen

Das Netzwerk PR-Gateway sorgt für optimale Reichweite und Relevanz. Eine Auswahl von über 250 kostenlosen Presseportalen, Special Interest und Regionalportalen sowie Social Media und Dokumenten-Portalen steht Ihnen für die Veröffendlichung bereit. Sie möchten ein besseres Ergebnis für Ihre Pressemitteilungen und Unternehmensinformationen? Dann melden Sie sich jetzt an und veröffentlichen sofort Ihre Pressemitteilung für nur 39,95 €.

Wir verbreiten Ihre Pressemeldungen

Weitere Meldungen

Neu bei Hamacher

Hamacher Transporte bietet seit April 2017 einen neuen Service an: den Transport von Rollenpapierwaren zu einem der modernsten Häfen Europas - dem belgischen Hafen Zeebrugge und

Mehr
Hervorragende Gästebewertungen für Hotelbird-App im BoxHotel

4.4 von 5 Bewertungs-Punkten hat das BoxHotel Göttingen ein halbes Jahr nach seiner Eröffnung von seinen Gästen bekommen. Hervorragend schnitt auch die App ab, auf der das Konzept

Mehr

Top Meldungen

EU-Kommission nimmt geplante Monsanto-Übernahme durch Bayer unter die Lupe

Die EU-Kommission will die umstrittene Übernahme des US-Saatgutherstellers Monsanto durch den deutschen Chemiekonzern Bayer genau unter die Lupe nehmen. Die Behörde habe wegen

Mehr
EU-Kommission prüft Bayers Monsanto-Übernahme

Brüssel - Die EU-Kommission hat eine eingehende Prüfung der geplanten Übernahme des US-Saatgutkonzerns Monsanto durch Bayer eingeleitet. Man sei besorgt darüber, "dass der

Mehr
Import und Export von E-Bikes: Eine Frage des Preises?


Der E-Bike-Boom hält an: 2016 wurden mit 558.000 Exemplaren 50 Prozent mehr Elektrofahrräder mit einer Motorleistung bis 250 Watt nach Deutschland importiert als im

Mehr