Politik

Türkei-Korrespondent der "Welt" in Istanbul in Polizeigewahrsam genommen

  • veröffentlicht am 17. Februar 2017, 18:57 Uhr
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Yücel 2016 bei einer Talkshow
Bild: AFP

Der Türkei-Korrespondent der Zeitung 'Welt', Deniz Yücel, ist in Istanbul in Polizeigewahrsam genommen worden. Der 43-Jährige sei nach Berichten über eine Hacker-Attacke auf das E-Mail-Konto des türkischen Energieministers gesucht worden, teilte die Zeitung mit.

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Der Türkei-Korrespondent der Zeitung "Welt", Deniz Yücel, ist in Istanbul in Polizeigewahrsam genommen worden. Der 43-Jährige sei nach Berichten über eine Hacker-Attacke auf das E-Mail-Konto des türkischen Energieministers gesucht worden, teilte die Zeitung mit. Linke und Grüne forderten die Bundesregierung auf, umgehend auf Ankara einzuwirken. Der SPD-Politiker Rolf Mützenich rief den türkischen Ministerpräsidenten Binali Yildirim auf, für die Freilassung Yücels zu sorgen.

Wie die "Welt" auf ihrer Internetseite mitteilt, begab sich Yücel bereits am Dienstag in das Polizeipräsidium in Istanbul, um sich Fragen der Ermittler zu stellen. Die Behörden werfen dem Korrespondenten demnach Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, Datenmissbrauch und Terrorpropaganda vor. 

Nach den Regeln des derzeit geltenden Ausnahmezustandes in der Türkei kann er bis zu 14 Tage ohne Anhörung durch einen Richter in Polizeigewahrsam gehalten werden. Anschließend kann die Staatsanwaltschaft Untersuchungshaft beantragen. Yücels Wohnung sei durchsucht worden.

Yücel, der die türkische und deutsche Staatsangehörigkeit besitzt, habe wie andere Journalisten über E-Mails berichtet, die das linksgerichtete türkische Hacker-Kollektiv RedHack aus dem privaten Mail-Konto von Energieminister Berat Albayrak beschafft hatte. In den E-Mails, die inzwischen auf der Plattform Wikileaks zugänglich seien, ging es unter anderem um die Kontrolle türkischer Medienkonzerne und die Beeinflussung der Öffentlichkeit durch fingierte Nutzer im Kurznachrichtendienst Twitter.

"Welt"-Chefredakteur Ulf Poschardt appellierte an die türkischen Behörden, keine Untersuchungshaft zu verhängen. Yücel habe seine Bereitschaft gezeigt, an einem rechtsstaatlichen Verfahren mitzuwirken. "Das und die Würdigung der Pressefreiheit, wie sie in der türkischen Verfassung festgeschrieben ist, sollten in die Entscheidung einfließen."SPD-Fraktionsvize Mützenich sagte dem "Kölner Stadt-Anzeiger": "Das ist eine weitere Zumutung für die deutsch-türkischen Beziehungen und überhaupt nicht tragbar." Der türkische Ministerpräsident wäre "gut beraten, auch aus Deutschland heraus für Klarheit und die Freilassung des Journalisten zu sorgen", sagte er mit Blick auf Yildirims Auftritt am Samstag in Oberhausen.

Der CDU-Innenexperte Armin Schuster sagte dem "Kölner Stadtanzeiger": "Die Presse in der Art und Weise anzugreifen, ist eines der sichersten Zeichen für ein autoritäres System." Dass für ein solches System am Samstag "öffentlich geworben werden soll, ist unerträglich", fügte er mit Blick auf Yildirims Auftritt hinzu.

Linken-Chef Bernd Riexinger sagte der "Berliner Zeitung" (Samstagsausgabe), Kanzlerin Angela Merkel (CDU) müsse sich umgehend bei dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan für die Freilassung Yücels einsetzen. 

Grünen-Chef Cem Özdemir erklärte: "Von der großen Koalition erwarte ich klare Worte. Sie muss sich umgehend für die Freilassung von Deniz Yücel einsetzen." Das Notstandsdekret erlaube Erdogan nicht nur, kritische türkische Journalisten zu inhaftieren, sondern nun auch Druck auf ausländische Journalisten auszuüben.

Yildirim spricht am Samstag bei einer Großveranstaltung in Oberhausen zu in Deutschland lebenden türkischen Bürgern. Hintergrund ist das bevorstehende türkische Referendum über eine Verfassungsänderung, die Erdogan umfassende Vollmachten bringen würde. Am Morgen kommt der türkische Regierungschef mit Merkel am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz zu einem bilateralen Gespräch zusammen.

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